Unsere ersten Tierarztbesuche

Beim Kauf des ersten eigenen Pferdes stehen Krankheiten und Tierarztbesuche ganz hinten an. Erste-Hilfe-Kenntnisse und das nötige Ersparte für eine Tierarztrechnung können aber schneller zum Einsatz kommen, als einem/r frisch gebackenen PferdebesitzerIn lieb ist. Das war bei mir gleich mehrfach der Fall.

Als ich mein erstes eigenes Pferd gekauft habe, war ich gerade erst ins Berufsleben gestartet. Auf den Kauf hatte ich mühsam gespart, weitere Ersparnisse waren kaum vorhanden. An dieser Stelle ist der Appell „Bitte nicht zu Hause nachmachen“ angepasst 😉 . Eine Übersicht der Tierarztbesuche, die ich in den ersten Jahren als Pferdebesitzerin erlebt habe, soll hier als abschreckendes Beispiel dienen und zur bestmöglichen Vorbereitung aufrufen. Nach diesen Erfahrungen fühle ich mich in der Lage auch als „neue“ Pferdebesitzerin ein paar Tipps zu geben.

Schwellung am Bauch

Der erste Besuch meiner Tierärztin war keine große Sache – im Gegensatz zu meiner Angst vor der Diagnose und der Rechnung. Wie gewohnt habe ich meine Stallkollegen um Rat gefragt und in genauso viele ratlose Gesichter geblickt wie erschreckende Einschätzungen gehört. Weil Abwarten die merkwürdige Schwellung am Bauchnabel meines Pferdes nicht besser gemacht hat, habe ich schließlich die Tierärztin angerufen.

Die Schwellung am Bauchnabel habe ich täglich gewaschen. © Kim Henneking

Sie hat die Schwellung als Ödem identifiziert, also eine Einlagerung von Flüssigkeit. Nach ihrer Anweisung habe ich den Bauchnabel mit einer desinfizierenden Lösung gewaschen und eingecremt. Nach ein paar Tagen war die Schwellung verschwunden und ist seitdem nicht mehr aufgetaucht.

Lahmheit im Trab

Der zweite Krankheitsfall war leider nicht mehr so harmlos. Irias lahmte deutlich im Trab. Die Lahmheit verbesserte sich auch nicht nach ein paar Tagen Pause. Die Hufbearbeiterin schloss ein Hufgeschwür aus und tippte auf die Sehne. Also ab in die Klinik für eine Lahmheitsdiagnostik.

Während das Band heilte, gab es ein Bewegungsprogramm am Führstrick. © Kim Henneking

Nach Röntgen und Ultraschall stellte der Tierarzt ein angerissenes Unterstützungsband fest und verordnete Boxenruhe. Ich durfte ihn täglich führen – ab 20 Minuten und dann langsam steigernd. Nach einem halben Jahr Pause mit mehreren Nachkontrollen ging es ihm wieder gut und er hatte seitdem keinen Rückfall.

Allergische Reaktion auf der Weide

Kurz nach dem Wechsel vom Paddock auf die Weide habe ich mein Pferd in einem erschreckenden Zustand gefunden: Gesicht und Schlauch waren angeschwollen, der Körper mit Quaddeln übersäht. Ich rief am späten Abend die Tierärztin an – natürlich im Notdienst – und fragte um Rat. Sie sagte, ich solle eine Stunde beobachten, ob die Schwellungen mehr oder weniger werden, mein Pferd eventuell Atemnot bekommt.

Sein Gesicht schwoll weiter an, er begann zu Husten. Die Tierärztin kam vorbei und stellte fest, dass es sich um eine allergische Reaktion handeln muss – wahrscheinlich durch Futter oder Insektenstiche hervorgerufen. Sie gab ihm ein Mittel gegen die allergische Reaktion und Schmerzmittel. In den darauf folgenden Tagen entwickelte er Fieber und die Tierärztin sah täglich nach ihm. Nach einer Woche ging es meinem Pferdchen endlich wieder gut.

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Augen, Nüstern und Lippen sind stark angeschwollen. © Kim Henneking

Seitdem trägt Irias im Frühjahr und Sommer durchgängig seine Fliegenmaske und ich sprühe ihn täglich mit Fliegenspray ein. Zum Glück habe ich seitdem keine Schwellungen mehr gesehen.

Lahmheit im Schritt

Ein Tag nach einer Herdenzusammenführung auf der Wiese hat Irias stark gelahmt, ein Bein gar nicht mehr belastet. Der Tierarzt stellte einen Schnitt im Strahl fest. In der Klinik wurde der Riss untersucht, der bis aufs Hufbein ging. Wir vermuteten, dass er auf etwas scharfes, spitzes getreten war, doch im Huf steckte es nicht mehr.

Irias wartet mit Hufverband auf den Tierarztbesuch. © Kim Henneking

Der Riss wurde aufgeschnitten, sodass er von innen heraus heilen konnte, ohne Taschen zu bilden, die sich infizieren können. Auch dieser Heilungsprozess dauerte mehrere Monate, in denen er auf dem Paddock von der Gruppe abgetrennt wurde, um möglichst ruhig zu stehen. Meine OP-Versicherung kam hier das erste und hoffentlich letzte Mal zum Einsatz.

Zahnschmerzen

Beim Füttern fiel mir auf, dass Irias ungern mit seinen Schneidezähnen die Möhren abbeißen wollte. Beim Zahnarzttermin zeigte er sich dann trotz hoher Betäubung extrem schmerzempfindlich und machte dem Arzt die Behandlung nicht leicht. Der riet zu einem Röntgen-Termin in der Klinik.

Irias bei seiner jährlichen Zahnkontrolle. © Kim Henneking

Beim Röntgen wurde eine Zahnwurzelentzündung festgestellt, die glücklicherweise über Futterzusätze zu behandeln war.

Meine Tipps an Euch

Die Erlebnisse haben mir deutlich gezeigt, dass es wichtig ist, täglich nach meinem Pferd zu sehen, auch wenn ich mal wenig Zeit habe. Wenn Euch das nicht möglich ist, dann wechselt euch mit den anderen Pferdebesitzern ab.

Ich gebe zu, ich habe meine Tierärzte auch mal wegen Kleinigkeiten gerufen, die rückblickend nicht dringend waren oder von alleine verheilt wären. Mit der Zeit kann man solche Situationen besser einschätzen. Generell solltet Ihr aber keine Scheu haben, den Tierarzt anzurufen, um eine Situation einschätzen zu lassen.

Um einen Notfall zu Vermeiden solltet ihr euch über die häufigsten Pferdekrankheiten, Erste Hilfe und Vorsorge informieren. Die Fülle an Informationen kann zu Beginn überfordern. Am besten fragt ihr andere Pferdebesitzer um Rat oder nehmt euch ein Thema nach dem anderen vor.

Damit Euch Tierarztrechnungen keine Bauchschmerzen bereiten oder gar zögern lassen, einen Tierarzt anzurufen, legt euch monatlich Geld für den Notfall zur Seite und habt schon beim Kauf Rücklagen parat. Schließt eine Kranken- und/oder OP-Versicherung ab. Durch letztere wurde mir schon eine hohe Rechnung rückerstattet. Eine Ankaufsuntersuchung kann euch über Vorerkrankungen aufklären, sodass es möglichst wenige Überraschungen gibt.

Eure ersten Tierarztbesuche?

Mit diesem Ausflug in die Krankengeschichte meines Pferdes möchte ich Transparenz zeigen, damit Ihr auch auf die schwierigen Aufgaben eines/r Pferdebesitzers/in vorbereitet seid. Im Gegenzug hoffe ich auf Rücksichtnahme in den Kommentaren 😉

Welche unerhofften Tierarztrechnungen sind bei Euch schon ins Haus geflattert? Was habt Ihr daraus gelernt? Und wie beugt Ihr Krankheiten bestmöglich vor? Ich freue mich über Eure Rückmeldungen.

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