Pferdefütterung: 31 Regeln von Constanze Röhm

Was frisst mein Pferd? In den meisten Fällen wohl Gras und Heu… aber wie viel davon? Und braucht es noch mehr? Antworten zu diesen Fragen gibt die Futterberaterin und Pferdewissenschaftlerin Constanze Röhm in ihrem Buch „Rashid und Purzels 31 Goldene Regeln zum Glücklich Füttern – Ein Anfängerbuch“. Ich hab das Buch gelesen und im Anschluss die Futterration für mein Pferd bestimmt.

Pferdefütterung kann für Anfänger ein abschreckendes Thema sein oder einfach nach Gefühl passieren. Constanze Röhm erklärt in ihrem Einsteigerbuch kurz und knapp und leicht verständlich auf 68 Seiten die Basics: angefangen bei Haltung, Verdauung, rassebedingten Unterschieden in der Futterverwertung bis zur Rationsberechnung von Energie, Eiweiß, Mengen- und Spurenelementen und Vitaminen. Wo andernorts das Zahlenwerk einer Berechnungstabelle einschüchtern kann, macht die Fütterungsberaterin das Thema durch bildliche Beschreibungen und mit einer Prise Humor leicht, auch ohne Vorkenntnisse in der Ernährungswissenschaft. Die Leser hangeln sich im Fütterungsratgeber an einer Vielzahl an W-Fragen über ihr Pferd zur Rationstabelle am Ende des Buches.

Wissenwertes für die Pferdefütterung

Drei Aspekte der Pferdefütterung habe ich beim Lesen von Constanze Röhms Buch als besonders wichtig empfunden und fasse sie hier in eigenen Worten für euch zusammen:

  1. Artgerechte Haltung: Der Fütterungsbedarf und das -management sind abhängig von der Haltung eures Pferdes. Denn je nach dem, wie viel ein Pferd sich bewegt, verändert sich sein Bedarf an Futter. Hier gilt es, das Pferd zu beobachten: Wie viel bewegt es sich im Verlauf des Tages? Wird es evtl. durch Artgenossen gestresst? Hat es Zugang zu Liegeflächen und Schatten? Damit jedes Pferd genug und stressfrei fressen kann, schlägt Constanze Röhm für eine Gruppenhaltung etwa 1,5 Fressplätze pro Pferd vor.
  2. Pferdegerechte Fütterung: Pferde sind ursprünglich Steppenbewohner. Auf ihren Speiseplan gehört deshalb nicht nur mageres, trockenes Gras sondern auch Blätter und Zweige. Frische und fette Wiesen eignen sich daher nicht für sie. Über den Tag verteilt verbringen Pferde bis zu 16 Stunden mit Fressen, in kleinen Zyklen mit vielen Pausen. Eine Fresspause sollte daher nicht mehr als vier Stunden dauern – eine wichtige Info für die Boxenhaltung.
  3. Futterbedarf: Nicht jedes Pferd benötigt neben dem Raufutter (Gras, Heu, Stoh) auch Kraftfutter (Hafer etc). Die meisten Kohlenhydrate (Energie für Bewegung, Atmung, Puls) und Eiweiß (Baustein für alle Körperteile) erhält ein Pferd aus Raufutter. Was darüber hinaus fehlt, kann durch Kraftfutter ergänzt werden. Auch Mengen- und Spurenelemente sind im Raufutter enthalten, müssen aber meist durch Mineralfutter ergänzt werden. Der Bedarf eines Pferdes verändert sich mit dem Alter und im Verlauf des Jahres und muss deshalb immer wieder neu berechnet werden.

Meine Rationsberechnung

Um die Ration für mein Pferd zu berechnen, gilt es eine Menge W-Fragen zu beantworten. Hier ein paar Beispiele:

  • Was habe ich für ein Pferd? Das Exterieur eines Pferdes spielt laut Constanze Röhm eine große Rolle bei der Fütterung. Demnach hat ein rundrippiges Pferd (z.B. Haflinger) einen höheren Bedarf an Raufutter als ein schmalrippiges Pferd (z.B. Araber).
    Irias ist ein 18 Jahre alter Andalusier-Wallach. Er ist 160 cm groß, wiegt knapp 500 kg und ist schmalrippig. Demnach ist er ein guter Futterverwerter, benötigt also vergleichsweise weniger Raufutter als ein Pony oder Kaltblut.
  • Wie viel frisst mein Pferd? Der Verdauungsapparat eines Pferdes ist auf eine bestimmte Menge Raufutter ausgelegt, wie dem Buch zu entnehmen ist. Zu wenig Futter bedeutet psychischen und physischen Stress und macht das Pferd krank. Constanze Röhm spricht sich dabei gegen die Berechnung nach einer Faustformel (x kg Futter/ y kg Körpergewicht) aus und lässt stattdessen das individuelle Sättigungsgefühl des Pferdes entscheiden (solange sie nicht zu viel fressen!).
    Irias frisst aus Erfahrung etwa 10 Kilogramm Heu im Winter. Das habe ich ermittelt, indem ich ihm an einem Tag eine Futterration Heu in Heunetzen zur Verfügung gestellt habe und am Ende des Tages gewogen habe, wie viel übrig geblieben ist.
  • Wie viel arbeitet mein Pferd? Im Freizeitbereich und Breitensport werden Pferde laut Constanze Röhm häufig weniger als „leicht“ gearbeitet. Dementsprechend muss auch die Futterration geringer ausfallen. Wie intensiv das Pferd arbeitet, kann anhand der Pulswerte gemessen werden.
    Ich bewege Irias etwa 6 Stunden pro Woche (Bodenarbeit, Reiten in der Halle, Ausreiten). Seine Belastung würde ich damit höchstens bei leichter Arbeit einstufen. Eine Herausforderung sind laut seiner Pulswerte nur unsere Ausritte am Wochenende. Den Puls könnt ihr z.B. mit einem Stethoskop im Schritt, Trab und Galopp abhören und mit dem Ruhepuls (30 bis 40 Schläge pro Minute) vergleichen.

Nach der Lektüre des Buchs komme ich zu dem Schluss, dass Irias aktuell neben dem Raufutter (Gras im Sommer und Heu im Winter) kein Kraftfutter braucht. Deshalb füttere ich nur Mineralfutter zu. Das bestätigt auch die Erfahrung: Als ich ihm 1 kg Hafer pro Tag gefüttert habe, hat er mehr Kilos draufgehabt als nötig 😉 .

In Zahlen sieht das so aus: Laut Berechnungstabelle im Ratgeber liegt der Bedarf meines Pferdes im Sommer bei 66 MJ (Kohlenhydrate in Megajoule) und 370 dvRP (Eiweiß in dünndarmverdauliches Rohprotein) und im Winter bei 55 MJ und 365 dvRP. Da ich leider noch keine Analysewerte für unser Gras oder Heu zur Verfügung hatte, habe ich für meine erste Berechnung die Werte der FN aus den Richtlinien für Reiten und Fahren Band 4 „Grundwissen zur Haltung, Fütterung, Gesundheit und Zucht“ genutzt, wo die Nährstoffgehalte für Futtermittel pro Kilogramm angegeben sind (Gras: 1,5 MJ und 22g dvRP, Heu: 6 MJ und 46g dvRP, Hafer: 11,1 MJ und 80g dvRP). Mein Pferd frisst 10 Kilogramm Heu im Winter. Laut FN frisst ein Warmblut etwa 50 bis 60 Kilogramm Gras pro Tag. Demnach ist der Bedarf meines Pferdes allein durch das Raufutter gedeckt. Lasst euch durch dieses Zahlenwerk nicht abschrecken, die Ration für euer Pferd zu berechnen. Zahlen sind nicht mein Ding! Aber mit der Schritt-für-Schritt-Anleitung im Buch habe auch ich die Berechnung geschafft 🙂 .

Das ist Constanze Röhm

Constanze Röhm ist Pferdewissenschaftlerin, Futterberaterin, Dozentin und Autorin. Neben dem hier genannten Buch hat sie auch Ratgeber zur Entwurmungsstrategie, Übergewicht und Verdauungsproblemen bei Pferden geschrieben. Mehr Infos findet ihr auf ihrer Internetseite.

Meine Buchtipps im Lernstübchen

Wenn ich etwas über Pferde lernen möchte, lese ich Bücher, belege Kurse oder besuche Messen. Im Lernstübchen auf diesem Blog findet ihr meine Tipps und Erfahrungsberichte. Bei den Buchtipps stelle ich in Form von drei Punkten vor, was ich beim Lesen am wichtigsten fand, und wie ich dieses Wissen für mein Pferd und mich anwenden konnte. Ich hoffe, euch damit zum Weiterlesen und -lernen zu motivieren und freue mich über den Austausch mit euch.


Habt Ihr euch schon mal genauer mit Pferdefütterung und Rationsberechnung auseinander gesetzt?

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