Tierärztin Dr. Veronika Klein über gesunde und fitte Pferde

Was müssen Pferdebesitzer und Reiter wissen, um ihren Pferden ein gesundes und glückliches Leben ermöglichen zu können? Darüber habe ich mit Dr. Veronika Klein gesprochen. Sie ist Fachtierärztin für Pferde, Reittrainerin, Vielseitigkeitsreiterin und bietet Online-Kurse für Pferdemenschen an.

Ihre wichtigsten Tipps lest ihr in dieser Kurzfassung des Interviews. Das Gespräch könnt ihr in voller Länge mit der Audio-Datei unter dem Beitrag hören.

6 Fragen an Pferdefachtierärztin Veronika Klein

Wie bist du aufs Pferd gekommen und wer war dein erstes eigenes Pferd?

Warum ich so pferdeverrückt war, weiß keiner so richtig. Seitdem ich drei Jahre alt war wollte ich partout aufs Pferd. Meine Schwester und meine Eltern haben dann auch angefangen. Erst hatte meine Mama ein eigenes Pferd, das war die Ready to Jump. Sie war ein altes Schulpferd und die haben wir uns geteilt, quasi ein guter Lehrer für unerfahrene Menschen. Ich habe mein erstes Pferd zum 17. Geburtstag bekommen. Sie hieß Corona – das ist schon merkwürdig zu diesen Zeiten. Die habe ich selber angeritten und ausgebildet. Sie ist dann leider gestorben als sie erst neun Jahre alt war. Das war mein Herzens- und mein Seelenpferd. Ich bin also relativ spät zum eigenen Pferd gekommen, weil meine Eltern gesagt haben, es ist eine sehr große Verantwortung. Man muss natürlich in anderen Lebensbereichen Abstriche machen, sowohl zeitlich als auch finanziell. Das muss jedem klar sein, der ein eigenes Pferd hat.

Wie ist die Idee zu deinem Online-Kurs „Projekt gesundes Pferd“ entstanden und was möchtest du damit vermitteln?

Ich sag immer, wenn ich gerufen werde, ist das Kind meist schon in den Brunnen gefallen. Der Podcast „Kernkompetenz Pferd“ war der erste Schritt, um dem entgegenzuwirken. Das sind immer so 15 bis 20 Minuten Input über Krankheitsthemen. Aber das kann noch keine nachhaltigen Lebensveränderungen für das Pferd bewirken. Ich wollte noch mehr präventiv wirken und noch mehr Kontakt, um die Leute ins Handeln zu bringen und so ist die Idee eines Online-Kurses entstanden. Denn wenn ich beim Pferd bin, sind die Besitzer aufgeregt und können sich nicht alles merken, was ich sage. Im Kurs können die Teilnehmer Schritt für Schritt und in ihrem Tempo Aufgaben umsetzen. Da geht es dann zum Beispiel darum, einen Gesundheitscheck durchzuführen, einen Vorsorgeplan zu schreiben, einen Trainingsplan zu strukturieren. Also aus dem subjektiven Empfinden und Hören-Sagen zu den Tatsachen und ins konkrete Handeln zu kommen.

Was sind die häufigsten Krankheiten und Fragen, mit denen du als Tierärztin konfrontiert wirst. Und gibt es da Auffälligkeiten bei unerfahrenen Pferdehaltern?

Der Klassiker ist die Verstopfungskolik im Winter: Die Pferde kommen in den Stall, sie fressen viel Stroh in der Box und trinken nicht so viel, weil das Wasser kalt ist, bewegen sich weniger. Das kann eine Kolik verursachen und das passiert bei unerfahrenen und erfahrenen Pferdebesitzern. Zweiter Punkt ist die Entwurmungsstrategie. Viele wissen überhaupt nicht, warum sie was, wie viel und wann geben. Da beschäftigen sich aus meiner Erfahrung heraus sehr wenige mit. Was auch fatal ist, ist der Bewegungsmangel. Ich glaube es ist ganz vielen Leuten nicht bewusst, was 24 Stunden in einer Box mit dem Pferd anrichtet. Das betrifft auch viele erfahrene Besitzer. Es wird immer präsenter, dass die Pferde viel raus sollen. Aber da den Zusammenhang zu kennen, dass es wegen Bewegungsmangel zu Atemwegsproblemen, Koliken, Arthrosen und Sehnenschäden kommt… Wenn man da sensibilisiert für ist, würde man einiges im Leben des Pferdes umstellen. Ich werde dann nach Mitteln gefragt, Akupunktur und Inhalation – das ist alles richtig und alles gut – aber wenn ich die Ursache nicht abstelle – wie 24/7 Boxenhaltung, keine Fenster, Spinnenweben an der Decke und Stroh- und Heulagerung in der Stallgasse – dann bringt alles andere nur oberflächlich was oder ist fehl am Platz.

Welche häufigen Fehler beobachtest du beim Reiten bzw. im Training?

Entweder es wird zu wenig gemacht oder zu viel, zu früh oder zu spät im Alter des Pferdes angefangen. Man muss wissen, was ist für mein Pferd Bewegung, was ist für mein Pferd Training und in welchen Abständen mache ich was. Das ist, was wir uns im Onlinekurs „Trainingsplanung für Freizeitpferde“ erarbeiten. Wenn Häufigkeit und Intensität unklar sind, kannst du technisch korrekt reiten und trotzdem entwickelt sich dein Pferd nicht dahin, wo es hinsoll. Der richtige Weg wäre: Erstens den Ist-Zustand zu beschreiben, also warum reitest du, was ist dein Ziel? Zweitens zu klären, wie fit ist dein Pferd – sind zehn Minuten Schritt zu viel, weil es Boxenruhe hatte oder sind 30 Minuten im Gelände ein Witz, weil es Distanzritte von 80 Kilometern gewöhnt ist? Und drittens, wie viel Zeit habe ich für mein Pferd? Dann kann man schauen, gern mit seinem Trainer, was man im Trainingsplan umsetzen kann.

Freizeitreitern fehlt oft die Infrastruktur. Da können ein Reitplatz oder Licht im Winter fehlen. Hast du Tipps, wie man in solchen Situationen trainieren kann?

Wenn man ehrlich aufgeschrieben hat, wie viele Tage und wie viele Stunden man für sein Pferd Zeit hat und darauf einen Trainingsplan aufgebaut hat, dann weiß man, was man mit seinem Pferd machen kann. Es gibt ja Aufgaben, die ich im Stehen machen kann, zum Beispiel Balance-Pads, isometrische Kraftübungen, Massage-, Mobilisations- und Koordinations-Übungen. Wenn es keinen Reitlehrer gibt, empfehle ich Online-Angebote. Wenn ich keine Halle und kein Licht habe, plane ich acht Wochen Winterpause ein, da spricht nichts gegen. Dann trainiere ich mein Pferd im Herbst ab und im Frühjahr auf. Nur die unvorbereitete Pause ist schlecht.

Welchen Rat hast du für Menschen, die sich ein Pferd kaufen wollen oder die gerade mit ihrem ersten eigenen Pferd am Anfang stehen?

Ich würde sagen, lasst euch nicht verrückt machen und hinterfragt kritisch, wer euch was erzählt. 100.000 Follower sind kein Beweis dafür, dass derjenige, der da auf dem Pferd sitzt, weiß, was er tut. Fragt auch bei Therapeuten und Reitlehrern nach der Qualifikation. Baut euch ein multiprofessionelles Team um euer Pferd auf und bleibt kritisch und offen. Nur weil alle im Stall etwas machen, ist das per se nicht richtig. Holt euch mehrere Meinungen ein und entscheidet dann nach euren eigenen Bedürfnissen. Leider denken wir in der Reiterszene sehr schwarz-weiß, das verurteile ich zutiefst. Bei jedem der sagt, es gibt nur den einen Weg, klingeln bei mir die Alarmglocken.

Das Interview in voller Länge

Pferdefachtierärztin Dr. Veronika Klein im Interview mit meinersteseigenespferd.blog.

Mehr über Dr. Veronika Klein erfahrt ihr auf ihrer Webseite. Meinen Erfahrungsbericht zu ihrem Online-Kurs zur Pferdegesundheit „Projekt gesundes Pferd“ lest ihr hier.

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